Dankesworte anläßlich der Entgegennahme des Kurt Tucholsky-Preises für literarische Publizistik

Ganz herzlichen Dank, lieber Egon Bahr für diese mich sehr berührende und ermutigende Laudatio. Ich danke den Schöpfern des Kabarettprogramms, Volker Kühn und seinen Schauspielern, ich danke der Jury und meinem Verlag, der ja auch Tucholskys war, und allen hinter und vor der Bühne, die Sie heute gekommen sind, um gemeinsam das Erbe des polemischsten deutschen Dichters dieses Jahrhunderts hochzuhalten.

Wie beschreibt man seine Freude und seinen Stolz, in auch nur irgend eine Art von Zusammenhang mit einem literarischen Vorbild gerückt worden zu sein, und gleichzeitig die Demut, die einen angesichts des eigenen Ungenügens gerade bei solcher Gelegenheit befällt? Gern hätte ich mir Rat beim Meister geholt, aber Tucholsky hat nie einen literarischen Preis bekommen. Und da fängt doch die ganze Ungerechtigkeit schon an.

Vermutlich hätte er an einem so symbolträchtigen Datum die Gelegenheit nicht ohne einige Attacken auf die aktuelle Situation verstreichen lassen. Was hätte der scharfzüngige Gesellschaftskritiker Ignaz Wrobel wohl zum heutigen Tag der deutschen Einheit zu sagen gehabt?
„Wenn ein neues Regime ans Ruder kommt, so vernichtet es gewöhnlich alle äußeren Spuren der Vorgänger, soweit ihm das möglich ist. So ist es bisher immer in der Weltgeschichte gewesen“, meinte er zumindest in seinem vor genau siebzig Jahren erschienenen „Deutschland, Deutschland über alles“, diesem von John Heartfield montierten Bilderbuch mit Texten, die heftigere Auseinandersetzungen und Angriffe auslösten, als alles, was Tucholsky je geschrieben hat. „Die Presse lobt – die Presse tobt“, warb der Verlag in einer Anzeige. Bei Lesungen kam es zu Tumulten und Schlägereien – auch das zeigt, wir haben heute längst nicht alle Steigerungsmöglichkeiten ausgeschöpft.
Einleitend hatte Tucholsky Hölderlin vorgeschickt: „Ich kann kein Volk mir denken, das zerissener wäre, wie die Deutschen“. Und so kam ich unter die Deutschen: Indem ich versuchte, ihre Mißverständnisse zu beschreiben. Mit dem Erfolg, daß diese offenbar nie größer waren, als zur jetzigen Zeit. Der Tonfall der westdominierten Debatten ist gereizter und aggressiver geworden, die Vorwürfe grundsätzlicher. Da aber Gereiztheit und Agressivität immer ein Anzeichen von argumentativer Schwäche sind, rückt der unvermeidliche Zusammenbruch von Klischees vielleicht näher als wir ahnen.
Schon vor Jahren war mir klar: Das Grundmißverständnis zwischen Ost und West besteht darin, daß eine Seite denkt, sie gibt ihr Letztes, während die andere meint, man nähme ihr das Letzte. Immer drohender wird mit den Milliarden gefuchtelt, entziehbar wie die Mohrrübe dem lahmen Gaul, falls der gewünschte Trott ausbleibt und stattdessen weitere Fehltritte vorkommen.

Sprache verrät Denken. Der Begriff transferieren degradiert den Osten wieder zum Ausland, in das mit anderer Währung gezahlt wird. Wo aber sollen reine Westquellen nach staatlicher Vereinigung herkommen? (Gut, auch wir profitieren vom Länderfinanzausgleich. Aber nach Abzug der Kosten für die Regierungsbauten in Berlin, die dem Aufbau Ost immer untergejubelt werden, machen diese Zahlungen ganze vier Prozent des sogenannten Transfers aus. Sehr anerkennenswert, aber für einen erkauften Anspruch auf Demutsgesten nicht tauglich.) Finanziert wird der angebliche Transfer aus dem Westen vielmehr mit Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen, und mit Krediten, die verzinst und getilgt werden müssen. In all diese Töpfe zahlen natürlich auch die Ostdeutschen ein. Das heißt, der Fleischer in Güstrow, so er genausoviel verdient, wie der Bäcker in Fulda, trägt auch genausoviel zu diesem sogenannten Transfer bei. Nur die Vermögenden in West und Ost (falls es sie hier gibt), zahlen nach dem Willen des Gesetzgebers weit weniger als angemessen wäre. Da selbst der Staatshaushalt nunmal vereint ist, können übrigens den ostdeutschen Steuerzahlern die erheblichen Subventionen für die bayrischen Bauern und die Ruhrkumpel auch nicht mehr ganz gleichgültig sein.

Fazit: Es gibt – so gesehen – keinen reinen Transfer von West nach Ost, sondern es gibt von West- und Ostdeutschen erarbeitete staatliche Fördermittel für eine Region, die erst unter zentralistischer Planwirtschaft, dann unter der Schocktherapie von Währungsunion und Treuhand erheblich gelitten hat. Wofür der Kassenwart für ausgleichende Gerechtigkeit nun von beiden Seiten – vor allem aber von den nächsten Generationen – Bußgelder erhebt.

Ich stelle mir vor, wie Tucholsky auf seiner jenseitigen Wolke sitzt, mit den Beinen baumelt und sich über unsere irdischen Hahnenkämpfe belustigt. Sehr komisch und vor allem sehr deutsch müssen ihm die Vorhaltungen vorkommen, der andere habe nicht hart genug gearbeitet. Denn natürlich hat unterm Strich der besser gelebt, der weniger rackern mußte. Das ist doch der größte Luxus. Aber anstatt stolz darauf zu sein, will deutsche Tugend nicht eingestehen, daß Fortschritt meßbar ist im Wegfall von Arbeitsfron und Leistungsdruck. Tucholsky weiß, was ich meine. In einem seiner legendären, im Himmel spielenden „Nachher“-Texte, schwärmt Kaspar Hauser rückblickend auf seiner Wolke, so daß man meinen könnte, er sei im Jenseits zum Ossitum konvertiert:
„Am liebsten waren mir zeitlebens die Betriebe, die ein wenig verfault waren. Da arbeitete ich so gern. Der Chef schon etwas gaga, wie die Franzosen das nennen, mümmlig, nicht mehr ganz auf Trab, vielleicht Alkoholiker; sein Stellvertreter ein gutmütiger Mann, der nicht allzuviel zu sagen hatte. Niemand hatte überhaupt viel zu sagen – der Begriff des Vorgesetzten war eingeschlafen. Auch Vorschriften nahm man nicht so genau – sie waren da, aber sie bedrückten keinen. Diese Läden hatten immer so etwas von Morbidität, es ging zu Ende mit ihnen, ein leiser Verfall. Wissen Sie: man arbeitete, man faulenzte nicht, hatte Beschäftigung – aber es war im großen ganzen doch nur die Geste der Arbeit… Ja, es gab viele Stätten solcher Art. Beim Militär habe ich sie gefunden, in der Industrie; auf dem Lande lagen solche Güter – Operettenbetriebe. Hübsch, da zu arbeiten. Sehr nett. Und immer so eine leise kitzelnde Angst vor dem Ende, denn einmal mußte es ja kommen, das Ende – immer konnte es nicht so weitergehen.“

Alle Menschen würden wohl gleich gern in Operettenbetrieben arbeiten. Menschliche Schwächen bis zu einem gewissen Grad zuzulassen, ist eben menschlich. Gerade an der „kitzelnden Angst“ erkenne ich in Kaspar Hauser die Kapitalismus-Erfahrung. Während die Ahnungslosigkeit der Ostdeutschen darin lag, lange Zeit nicht einmal Angst vor dem Ende gehabt zu haben, weil sie sich darauf verlassen haben, daß die objektive Gesetzmäßigkeit der Geschichte sie schon nicht verkommen lassen wird. Ich weiß, längst nicht alle Arbeit war spielerisch; sogar Bücher, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, schrieben sich nicht von selbst. Doch privat ging bekanntlich überall vor Katastrophe. Und das ohne Reue – deshalb war es in den östlichen Operettenbetrieben auch noch netter… Die Utopie einer Welt als musikalisch-heiteres Gesamtkunstwerk – und nicht als Trauerspiel.
„Der Sozialismus wird erst siegen, wenn es ihn nicht mehr gibt.“ Das sind so Satznüsse, die ungeknackt herumliegen, verehrte Tucholsky-Gemeinde. Ein Mißverständnis zwischen Ost und West besteht darin, daß die eine Seite denkt, die Beigetretenen wollten so leben wie sie, während die andere Seite meint, sie sei beigetreten, damit alle anders leben.

„Wenn Revolution Zusammenbruch bedeutet, dann war es eine“, meinte Ignaz Wrobel 1919. Denn: „Der Staat hat nicht viel to seggen.“ Er wußte: „Sie dachten, sie hätten die Macht. Dabei waren sie bloß in der Regierung.“ All das ist nicht nur unverändert aktuell, sondern aktueller denn je. Das ist das Geniale an diesen Texten. Und das Deprimierende zugleich. Heute wagt nur noch der Initiator der einstigen Montagsdemonstrationen, der Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, zu sagen: „Der zweite Teil der Revolution steht noch aus.“ Was ja das Schicksal beinahe aller Revolutionen war.

Wir übrigen begnügten uns damit, von der anhaltenden Notwendigkeit einer Politik-Wende zu sprechen, von Reformen und sozialen Bewegungen. Das war wohl der Bescheidenheit zuviel. In seinem Deutschlandbuch formulierte Tucholsky Rechenaufgaben:
„Eine sozialdemokratische Partei (und ich bin sicher, die hier anwesenden Sozialdemokraten billigen diese mathematische Logik) hat in acht Jahren 0 Erfolge. In wieviel Jahren merkt sie, daß ihre Taktik verfehlt ist?“
Man ist versucht, nach diesem Muster weiter zu rechnen. Zum Beispiel: Vor neun Jahren verabschiedete eine grüne Partei auf einem Sonderparteitag anläßlich des bevorstehenden Golfkrieges einen offenen Brief an die Soldaten, in dem es hieß: „Wir lehnen das Säbelrasseln der USA und ihrer Verbündeten und ihre kriegsträchtige militärische Interventionspolitik ab. Sie steht nicht im Einklang mit der UNO-Beschlußlage… Wenn ihr den Befehl bekommt, in einen Krieg irgendwo auf der Welt zu gehen, dann SAGT NEIN und BEGEHT FAHNENFLUCHT.“ Und nun die sich daraus ergebende Rechenaufgabe: Wieviel Kilo Gesinnung muß man abspecken, um machtlinienförmig zu werden?

Ist es allzu respektlos, auch Kurt Tucholsky danach zu fragen? Er hatte mit dem 1. Weltkrieg zunächst „innerlich nichts zu tun“ und gehörte nicht zu den jubelnden Hunderttausenden, die freiwillig an die Front gingen. Doch schon bald hatte er sich naheliegenderweise einen Posten als Kompanie- später sogar Stabsschreiber erobert. Die mit Gehaltserhöhungen verbundenen, reglmäßigen Beförderungen, die gute Verpflegung, der Wein, Zeit für Bücher und Mädchen – all das versöhnte ihn mit der Situation. Erfolgreich gab er die erste deutsche Fliegerzeitung heraus. Er ließ sich sogar taufen, um Offizier werden zu können. Höhepunkt seiner militärischen Karriere war wohl, als der Vizefeldwebel Tucholsky das „Verdienstkreuz für Kriegshilfe“ bekam, weil er sich in seiner Zeitung für die Kriegsanleihe eingesetzt hatte.

Später gestand er ein: „Ich habe mich dreieinhalb Jahre im Kriege gedrückt, wo ich nur konnte – und ich bedaure, daß ich nicht, wie der große Karl Liebknecht, den Mut aufgebracht habe, Nein zu sagen und den Heeresdienst zu verweigern. Dessen schäme ich mich.“ Doch sofort nach dem Krieg gründete er u.a. mit Ossietzky den Friedensbund der Kriegsteilnehmer: Krieg dem Kriege!, war seine Devise, die er in zahllosen Artikeln, Gedichten und auf Kundgebungen vertrat. Aus der Erfahrung der eigenen Verführbarkeit nahm er den moralischen Rigorismus, Fehler nicht wiederholen zu müssen. Er hat seine Schwäche mit einer Konsequenz wiedergutgemacht, vor der man nur den Hut ziehen kann. Sein aus eigener Anschauung geborener Satz „Soldaten sind Mörder“ erregt noch heute die Gemüter und Gerichte.

Es will mir scheinen, als rutschten Sie, lieber Kollege Tucholsky, bei diesem Thema ungeduldig auf Ihrer Wolke hin und her, besorgt, wir könnten versäumen auf ein Jubiläum hinzuweisen, daß Ihnen wohl mehr am Herzen liegt, als dieser ominöse Nationalfeiertag. Da will ich Sie schnell beruhigen, wie könnten wir vergessen, daß heute der 110. Geburtstag von Carl von Ossietsky ist? Sich der ›Weltbühne‹ verbunden fühlende Autoren haben nach der Wende versucht, diese Zeitschrift weiterzuführen. Der Titel gehört niemandem, aber da das nicht zu beweisen war, darf er auch von niemandem benutzt werden. Nur eine Kneipe nennt sich jetzt großspurig: Weltbühne. Und so heißt unsere westöstliche Zweiwochenschrift für Politik/Kultur/und Wirtschaft eben Ossietzky. Und falls der Vertrieb bis zu Ihrer Wolke reichen sollte, so sind die hier anwesenden Autoren ziemlich zuversichtlich, daß das Blatt Ihr Wohlgefallen findet. Und ich gebe auch die Hoffnung nicht auf, die Zeitschrift werde eines Tages, vereint mit dem rein östlichen Blättchen, unter dem ursprünglichen Namen erscheinen.
All das paßte zur Festtagsstimmung, wäre da nicht jene Justizschande, nach der 1992 das Kammergericht Berlin und der Bundesgerichtshof die Chance verpaßt haben, sich von ihren Reichsgerichtskollegen zu distanzieren, die Carl von Ossietzky wegen Landesverrats verurteilt hatten. Und das, weil in seiner Zeitschrift andeutungsweise auf völkerrechtlich und strafrechtlich verbotene Aufrüstung der deutschen Luftwaffe aufmerksam gemacht wurde. Auf Verbotenes aufmerksam zu machen, darf aber nicht verboten sein. Selbst und gerade dann nicht, wenn es das Militär geheim halten will. „Es ist eine furchtbare und demütigende Vorstellung“, schrieb Thomas Mann an das Gericht, „in einem Land zu leben, wo über Erscheinungen der Unordnung gewaltsam mit Hilfe der Justiz Stillschweigen gebreitet werden soll.“ Gegen das Ossietzky-Urteil gab es damals einen weltweiten Sturm der Empörung, allein in Deutschland hatten fast 45.000 Menschen eine Petition unterschrieben – vergeblich. Ossietzky starb an den Folgen der langen KZ-Haft.

Ohne jegliches kritisches Geschichtsbewußtsein ließen die heutigen Richter den damaligen das Argument durchgehen, die verbotene Aufrüstung sei ein schützenswerter „Bestandteil des Staatswohles“ gewesen und deshalb das Urteil nachvollziehbar. Und so verwarfen beide Gerichte das Wiederaufnahmeverfahren zur Rehabilitierung des einzigen Deutschen, der während der Nazizeit den Friedensnobelpreis erhalten hat. Und unsere Zeitschrift muß mit der höchstrichterlichen Entscheidung leben, wonach sie sich nach einem Landesverräter benannt hat. Keine gute Empfehlung zum Geburtstag.

Aus derart empörenden Urteilen erwächst für Publizisten die Aufgabe, die bundesdeutsche Justiz kritisch zu begleiten. Ganz im Geiste Tucholskys, der wußte: Es gibt keinen unpolitischen Strafprozeß, weil in der Welt überhaupt nichts unpolitisch ist. Ossietzkys Inhaftierung war neben allem anderen Übel auch einer der ausschlaggebenden Gründe für Tucholskys gänzliches Verstummen.

Da haben wir Heutigen es leichter. Zum Ende kommend, will ich dennoch nicht verschweigen, daß einen Tucholsky-Preis zu erhalten natürlich auch bedeutet, mit dem Thema Anfeindung und Ausgrenzung, und schließlich mit Resignation und Scheitern konfrontiert zu werden. Der Radikaldemokrat Tucholsky wurde weder als solcher geboren, noch konnte er unter den damaligen Bedingungen diese Courage bis zum Ende durchhalten. Für sein Ende bedurfte es einer anderen Art von Mut.

Es ist ein eigenwillig Ding mit der Courage. Auch ich habe einst, wenn auch kaum Falsches verteidigt, so doch zu leise widersprochen und zu lange mitangesehen, wie das Projekt einer menschlichen Gesellschaft zuschanden kam. Und auch ich leite daraus die moralische Verpflichtung ab, mit aller Radikalität dagegen anzugehen, sich selbst diesen Vorwurf noch einmal machen zu müssen. Aber wer sich aus dem Fenster lehnt, noch dazu aus dem linken Flügel, der muß mit scharfem Gegenwind rechnen, heißt es hierzulande. Wer seine Meinungsfreiheit nutzt, um auch vor Systemkritik nicht haltzumachen, der wird erfahren, was Verleumdungsfreiheit ist.

Auf wieviel Zusammenhalt von Gleich- oder Ähnlichgesinnten darf dabei gerechnet werden? Wer unglaubwürdig gemacht werden soll, erfährt, wieviele Freunde und Sympathisanten er hat. Wer unfair angegriffen wird, weiß das Glück der Solidarität zu schätzen. Ich bin dankbar, sie bekommen zu haben. (Und ich freue mich natürlich, unter denjenigen, die sich in Auseinandersetzungen für mich eingesetzt haben, nun auch einen Nobelpreisträger zu wissen und ich möchte die Gelegenheit nicht versäumen, Günter Grass von hier aus sehr herzlich zu gratulieren.)

Wohl dem Land, das keine Helden braucht. Und wohl dem Menschen, der keine Solidarität braucht. Wann und wo könnte das sein? Selbst im Paradies ist der Versuch, vom Baum der Erkenntnis zu kosten, bestraft worden.

Als Tucholskys Deutschlandbuch 1964 in der Bundesrepublik erschien, war einer Besprechung in der Zeit zu entnehmen, sein (und unser) Unglück sei es gewesen, „daß er kein Maß mehr kannte“ in seiner Kritik und seiner Bitterkeit. Ein Maß wird er doch wohl gekannt haben, nämlich sein eigenes. Wessen Maß soll denn sonst das gültige sein? Am Schluß seines Buches griff er Hölderlin wieder auf: „Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil davon sind wir.“ Womit gemeint waren: Linke, Pazifisten, „Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird“, verlangte Tucholsky. Möge es uns Angesprochenen gelingen, dabei auch künftig unser Maß zu verteidigen.

Daniela Dahn

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Die Kurt Tucholsky-Gesellschaft widmet sich dem Andenken Tucholskys und der Verbreitung seines Werkes. Alle zwei Jahre vergibt sie den Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik.

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