Krieg dem Kriege

Die Kurt Tucholsky-Gesellschaft Sektion Ruhrgebiet bot an zwei Abenden (am 15. März in Herne und am 16. März 2018 in Duisburg) zusammen mit der Volkshochschule Herne, der Erich-Fried-Gesamtschule Herne und der Bürgerstiftung Duisburg ein Tucholsky-Programm der besonderen Art. Nach „Tucholsky als Humorist“ (2016) und „Tucholsky und andere Geflüchtete“ (2017) war es die dritte Veranstaltung der Veranstaltergemeinschaft. Sie stand unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ und war Thema der 39. Duisburger Akzente.

„Wir fangen erst an, wenn mehr Zuhörer als Mitwirkende anwesend sind.“ vertröstete der Moderator die erst wenigen Gäste. Die Mitwirkenden dieser Abende waren 31 Schülerinnen und Schüler des vokalpraktischen Kurses der Erich-Fried-Gesamtschule in Herne unter der Leitung von Katrin Block. Die Sorge des Moderators war unbegründet: Sowohl in Herne als auch in Duisburg kamen jeweils 70-80 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer. Sie erlebten ein Ensemble von jungen Leuten, das das schwierige Thema „Krieg dem Kriege“ souverän interpretierte. Mit einigen Tucholsky-Gedichten – zum Beispiel „der Graben“, „Rote Melodie“, „Krieg dem Kriege“ – boten sie ein schauspielerisch und gesanglich außergewöhnliches Programm. Einige Gäste kämpften mit ihren Tränen, alle waren berührt. Das Programm endete mit Tucholskys „Lied vom Kompromiss“.

Die Bürgerstiftung Duisburg berichtete anschließend über ihre Erfahrungen mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, die aus Kriegsgebieten geflohen waren. Zwei 14-jährige Jugendliche übermittelten eine Audiobotschaft mit eindringlichen, mahnenden Gedichten.

Mit der damals wie heute umstrittenen Aussage Tucholskys „Soldaten sind Mörder“ ging Dr. Ian King Tucholskys Karriere durch, als Journalist, Satiriker, Soldat, Militärpolizist und Friedenskämpfer, der die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich anstrebte. Die von antidemokratischem Geist verdorbene Reichswehr schien Tucholsky eher Kriegs- als Friedensgarant. Also trat er für die Dienstverweigerung als einziges Mittel ein, um einen noch blutigeren Konflikt zu verhindern. Damals setzten sich seine Nazi-Gegner durch, die Menschheit zahlte die Zeche. Lehre: Nie wieder Krieg!

Klaus Becker

Das Programm für 2019 wird vorbereitet. Foto: Klaus Becker

Das Programm für 2019 wird vorbereitet. Foto: Klaus Becker

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Die Kurt Tucholsky-Gesellschaft widmet sich dem Andenken Tucholskys und der Verbreitung seines Werkes. Alle zwei Jahre vergibt sie den Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik.

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Posted in Rundbrief August 2018

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