Ängstliche Augen in der Großstadt

Die Autorin und Vorleserin Ulla Wilberg zeigt mit wenigen Pinselstrichen, wie sich ein Klassiker auf die aktuelle Lage beziehen lässt.

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
Mit den Corona-Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Erstaunlich ängstliche Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? vielleicht dein Lebensglück…
vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast´s gefunden,
nur für Sekunden…
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider;
Was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück…
vorbei, verweht, nie wieder.

Du musst auf deinem Gang
Vorsichtig durch die Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Infizierter sein,
es kann ein Negativer sein,
es kann im Kampfe ein
Gesunder sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber…
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider.

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