Theobald Tiger: Parc Monceau

Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.

Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist.

Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen

sagt keine Tafel, was verboten ist.

 

Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.

Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt.

Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nasen

und freut sich, wenn er was gefunden hat.

 

Es prüfen vier Amerikanerinnen,

ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.

Paris von außen und Paris von innen:

sie sehen nichts und müssen alles sehn.

 

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.

Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.

Ich sitze still und lasse mich bescheinen

und ruh von meinem Vaterlande aus.

 

 

Autorenangabe: Theobald Tiger

Ersterscheinung: Die Weltbühne, 15.05.1924, Nr. 20, S. 664.

Editionen: Kurt Tucholsky: Gesamtausgabe. Texte und Briefe. Hrsg. von Antje Bonitz, Dirk Grathoff, Michael Hepp, Gerhard Kraiker. 22 Bände, Rowohlt Verlag, Reinbek 1996ff., Band 6. Texte 1923-1924, S. 141 f.

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Die Kurt Tucholsky-Gesellschaft widmet sich dem Andenken Tucholskys und der Verbreitung seines Werkes. Alle zwei Jahre vergibt sie den Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik.

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