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Der Blog der Kurt Tucholsky-Gesellschaft ist unsere kleine digitale Bühne. Hier werden Lieblingstexte von “Tucho” in Szene gesetzt, das leidige Vereinsleben augenzwinkernd aufgearbeitet – es wird im Geiste Tucholskys experimentiert! Wer mag, darf sich gerne selbst einmal an der kleinen Form versuchen. Anfragen und Textvorschläge gerne an “pfordt@nulltucholsky-gesellschaft.de”.

Den Anfang macht Phillip Helmke, KTG-Mitglied und studierter Literaturwissenschaftler. Er hat Tucholskys “Spanische Krankheit?” von 1918 im Lichte der gegenwärtige Lage umgedichtet:

Virus zweiten Grades (In Anlehnung an Tucholskys Spanische Krankheit?)

Was schleicht über alle globalisierten Schranken?
Welches Ding schleift die infizierten Gedanken
von der Werkbank bis zur Prominenz?
Es ist kaum zu sehen; wer nennts? Wer kennts?
Schmerzen nicht im Hals, sondern im Hirn –
Diagnose: Virus hinter der Stirn.

Denn wenn ichs genau betrachte
und hübsch auf alle Symptome achte,
bemerke ich es mit einem Mal:
nicht nur physisch geht viel viral.
Denn sehe ich das eigentliche Krankenkorps:
tritt ungeniert blanker Irrsinn hervor.

Ein großes Geplärr dummdreister Beschwerden,
Corona sei die größte Verschwörung auf Erden!
Der Aluhut, er sitzt adrett,
Die Fahnen würdevoll geschwenkt und kokett;
Schon mittags einen sitzen, die, wie in Anstalten
ihre weltverlassenen Psychosen entfalten.
Mit Sicherheit wird eines CoVid überdauern:
schleichender Wahnsinn hinter bürgerlichen Mauern.


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